Nach einer überragenden Saison mit Olympia-Silber und drei Weltcupsiegen startet Emma Aicher in Sölden in den Winter. Die 22-Jährige greift nach der großen Kristallkugel.
"Ich war jetzt lange genug rennfrei", stellt Emma Aicher in ihrer gewohnt trockenen Art fest. "Es ist schon gut, dass es endlich wieder losgeht mit den Rennen." Vor dem Saisonstart im Skiweltcup am Wochenende in Sölden steht für die 22-Jährige gerade noch die Einkleidung für die neue Saison an.
Skirennfahrerin Emma Aicher vor Saisonstart
Sieben Monate ist das letzte Skirennen her. Viel Zeit hatte Aicher den Sommer über. Überraschend wenig davon verbrachte das Allroundtalent im Glanz ihrer Medaillen und in Erinnerung schwelgend an die vergangene Saison. "Man musste mich irgendwie fast ein bisschen daran erinnern, weil ich selbst nicht daran gedacht habe", gibt Aicher zu. "Also wenn mich jemand gefragt hat, hab ich so gedacht, oh, stimmt, da war ja was, so ungefähr."
Aicher ruckelt an Shiffrins Thron: "War eine krasse Saison"
Da war etwas, und zwar nicht irgendwas. Vergangenen Winter zauberte Emma Aicher eine echte Erfolgssaison in den Schnee. Zwei olympische Silbermedaillen, drei Weltcupsiege und sechs weitere Weltcuppodien sammelte die talentierte Deutsch-Schwedin, die für den SC Mahlstetten in Tuttlingen startet. "Natürlich war es eine krasse Saison. Es ist ja viel besser gegangen, als ich erwartet habe", erzählt Aicher im Gespräch mit SWR Sport.
Das allein wäre schon eine hervorragende Bilanz für die 22-Jährige. Doch Aicher kämpfte auch bis zum Schluss um den Sieg im Gesamtweltcup. 87 Punkte fehlten am Ende auf Ski-Königin Mikaela Shiffrin aus den USA. Für die Zweitplatzierte Aicher eine besondere Erinnerung: "Das war für mich am Anfang der Saison undenkbar."
Emma Aicher: "Komisch, dass Menschen wissen, wer ich bin"
Undenkbar für Aicher auch der Rummel, der um ihre Person gemacht wird. "Ich finde es immer noch komisch, wenn Menschen mich um Autogramme fragen. Es ist immer so, hä? Warum? Also ich weiß nicht, für mich ist es irgendwie immer noch krass, dass Menschen wissen, wer ich bin", staunt Aicher. "Das ist dieses Jahr einfach anders als letztes Jahr. Aber im Endeffekt arbeite ich ja dafür. Ich will ja dahin."
Dahin, wo aus deutscher Sicht schon lange keine Skirennläuferin mehr war. Nach Maria Höfl-Riesch in der Saison 2010/11 könnte Emma Aicher sich zur vierten Deutschen überhaupt krönen, die die große Kristallkugel im alpinen Skiweltcup gewinnt.
Auch in diesem Winter geht Aicher wieder in allen vier Disziplinen an den Start, hat im Sommer neben Kondition und Kraft vor allem am Slalom und Riesenslalom gefeilt. "Ich bin zufrieden mit meiner Vorbereitung. Es war viel Techniktraining und ein bisschen Speed. Letztes Jahr war ja der Riesenslalom ein bisschen hinterher im Vergleich zu den anderen Disziplinen. Also hoffe ich, dass ich an dem weiterarbeiten kann", so Aicher.
Mitfavoritin auf den Gesamtweltcup-Sieg
Dass Dominatorin Shiffrin bereits angekündigt hat, kommenden Winter etwas kürzer zu treten und gerade in ihrer Paradedisziplin Slalom Rennen auslässt, steigert auch die Chancen der deutschen Hoffnungsträgerin auf den Gesamtsieg. "Natürlich werde ich es versuchen. Aber dieses Jahr beginnt alles wieder bei null", erklärt Emma Aicher. "Einige richtig gute Athletinnen kommen zurück von Verletzungen. Man muss schon sehr viel kämpfen, dass man da oben dabei ist."
Riesenslalom der Frauen am Samstag (24.10.)und der
Männer am Sonntag (25.10.)Die ARD überträgt die beiden Rennen jeweils ab 10 Uhr live im Ersten.
Ein Saison-Highlight für die DSV-Athletin wird die Weltmeisterschaft im schweizerischen Crans Montana im Februar sein. Eine WM-Einzelmedaille fehlt ihr zwar noch, doch Aicher hält sich bedeckt. "Ich will jetzt keine konkreten Ziele setzen. Ich versuche immer, mich aufs Skifahren zu konzentrieren und auf das, was ich machen kann, damit ich schneller werde. Aber natürlich ist das irgendwann mal ein Ziel."
Auf den Spuren von Adam Sandler in Hollywood
Viel lieber als selbst im Schweinwerferlicht zu stehen, würde Emma Aicher übrigens gerne mal einen Schatten spielen - und zwar den von Adam Sandler. Auf die Frage, was sie machen würde, wenn sie einen Tag lang durchsichtig wäre, führen Emma Aichers Gedanken sie nach Hollywood, ans Set eines Films des US-amerikanischen Schauspielstars. "Den finde ich ganz cool, er ist witzig. Ihn einen Tag lang zu begleiten, das wäre mal was ganz anderes und sicher interessant zu sehen, was da wirklich abgeht."
Live im Ersten: Saisonstart mit Riesenslalom in Sölden
Statt Scheinwerfer in Hollywood heißt es zunächst aber Flutlicht in Sölden. Auch auf diese Kulisse freut sich Emma Aicher, die am Wochenende als eine von zehn DSV-Athletinnen beim Riesenslalom an den Start gehen wird. "Es wird viel los sein, von der Stimmung her ist es dort richtig cool in Österreich. Die wissen, wie man Rennen anfeuert", lacht Aicher. Etwas Nervosität ist mit Blick auf die Strecke aber auch im Spiel: "Dieser Steilhang ist ja nicht wirklich mein Lieblingshang. Aber ich werde versuchen, mein Bestes zu geben, und dann wird man sehen. Wenn es gut läuft, ist es super. Wenn es nicht so läuft, dann weiß ich, an was ich arbeiten muss für die restliche Saison." Für Emma Aicher kann es also nur ein erfolgreicher Winter werden.





Comments
No comments yet. Be the first to share your thoughts.